Liebe Leser,
Es soll Nächte geben, da schlafen Eltern. Ich habe davon gelesen. Wenn ich an die letzten gut sechs/sieben Jahre zurückdenke, kann ich mich an nur wenige erinnern, die ich durchweg schlafend verbracht habe. Meist waren es Nächte, in denen der Körper sich vor Erschöpfung einfach den Schlaf holt. Dann werden die Ohren offenbar doch ausgeschaltet und das Weinen, Würgen oder Husten der Kinder ignoriert.
Nun, gestern war keine dieser Nächte. Gegen 0:15 Uhr hustete Anna so stark, dass sie wach wurde und (na wenigstens mittlerweile selbstständig) zu uns ins Bett gekrabbelt kam.
0:39 Uhr dann konnte ich nicht mehr so tun, als hörte ich es nicht. Also aufstehen, in die Küche tappsen und bei viel zu hellem Licht die Packungsbeilage des Hustenstillers lesen, die Dosierungsempfehlung schließlich doch ignorieren und noch eine Dosis verabreichen. Wieder zurück ins Bett.
Eine halbe Stunde später tat sich noch immer nichts, Madame hustete sich die Seele aus dem Leib. Nun ja, vielleicht war es auch nur Bronchialschleim. Gut, wenn Hustenstiller nicht hilft, dann raus mit dem Kind auf den kalten Balkon. Also wieder raus aus dem Bett, Bademantel und Schuhe an, Gatten mehr oder weniger freundlich bitten, das Kind derweil in die Decke zu wickeln. Diskussion, ob Socken an oder nicht, einfach erschlagen.
Dann saß ich, wie so oft, wie mit allen, nachts auf dem Balkon. Im Normalfall reicht das Aufrechtsitzen und die kalte, feuchte Luft, den Hustenreiz zu stillen. Wenn ich aber schon jetzt so viel drüber schreiben, sollte jedem klar sein, dass diese Nacht nicht unter die Kategorie “normalerweise” zu verbuchen war.
Nach einer Viertelstunde/ zwanzig Minuten in der Kälte und einem Kind, was höchst fasziniert vom nächtlichen Lichtermeer war und mein Grummeln und Seufzen nicht als befriedigende Antworten auf ihre Fragen akzeptierte, stolperten wir ins Bett zurück.
Es war an der Zeit, meine seit 2 Tagen wieder verdiente Wandseite des Bettes aufzugeben. Da mein Mann ja arbeiten gehen muss, setzte ich mich also mit ihr aufrecht ins Bett. Die Dunkelheit dämpfte zum Glück ihre Redseligkeit, weniger jedoch ihren Hustenreiz. Mittlerweile muss es gegen 2 Uhr in der Früh gewesen sein.
Eine Viertelstunde später gab ich dann auf. Nachdem ich alle Auslagerungs- Umzieh- und Ignorierstrategien in meinem Kopf aufgegeben hatte, entschloss ich mich, halb drei Uhr nachts (kann man nicht oft genug erwähnen), erneut aufzustehen und Zwiebelsaft anzusetzen. Ja, frischen. So, mit echten Zwiebeln.
Als sei schon der Gedanke daran nicht schlimm genug, erwischte ich als erstes eine Zwiebel mit einer Schimmelstelle. Also musste ich eine ZWEITE Zwiebel aufschneiden. Zum Glück war meine Innere Aggression mittlerweile einer gewissen Lethargie gewichen.
Ich füllte also Zwiebelwürfel in ein leeres Glas und schüttete Zucker darauf. Klassischerweise mache ich meinen ja mit Honig, aber mein aktueller Buchweizenhonig ist sehr fest und dafür ungeeignet. Also Zucker. Huch, etwas zu viel. War mir egal. Schütteln, auf die Heizung stellen, ab ins Bett.
Ich durfte dann auch tatsächlich wieder schlafen. Wahrscheinlich war es der Geist der Zwiebel, der den Husten endlich stillte.
Heute morgen erwartete mich dann ein ganz ausgezeichneter Zwiebelsaft, dickflüssig und glasklar, da im Glas eine gesättigte Zuckerlösung entstanden war.
Diesen schüttete ich über ein Sieb ab und versetzte dem Ganzen noch einen Schwapp Fenchelhonig. Nur für den Geschmack. Aber auch an sich war dieser Saft sehr lecker.
Und weil ich nach dieser nächtlichen Aktion nicht schon wieder Lust auf Schnippeln hatte und ausserdem die Zwiebelstücke noch durchaus saftig schienen, ließ ich den Rest, also den Zuckersatz und die Zwiebeln, zum Weiterziehen einfach stehen. Denn so lange Wasser in den Zwiebelstücken ist und man das nicht in der gesättigten Lösung lässt, wird sich neuer Zwiebelsaft bilden.
Das Ganze habe ich aktuell im dritten Ansatz stehen und noch immer ist Wasser in der Zwiebel. Sie ist zwar schon eine weiche Pampe, aber ich denke, einen vierten Guss wird man davon noch gewinnen können. Das finde ich sehr praktisch, muss ich sagen. Dann verkommt nichts. Und ich muss heute nicht extra los, Zwiebeln kaufen.
Von dieser exklusiven Essenz bekommt Madame nun 3-4 mal am Tag 5ml.

Gute Besserung.
Eure müde Ankelilli.
