Paxi und der Futterdieb
Hallo mein kleiner Eichhörnchenfreund. Ich habe wieder eine neue Episode von Paxi und seinen Geschwistern für dich. Heute trifft er auf einen seltsamen neuen Bewohner der Wiese hinter dem Haus mit den vielen Fenstern. Willst du die Geschichte hören? Sie beginnt so:
Es würde ein wunderbarer Tag werden, das merkte Paxi sofort, als er die Nase aus dem Kobel steckte. Die Sonne schickte ihre Guten-Morgen-Wachkitzelstrahlen auf das kleine Eichhörnchen, was sich behaglich schüttelte und kräftig streckte. Er hatte gut geschlafen, von reichlich Nüssen und Zapfen geträumt und nun war er hungrig. Flink kletterte er los und machte sich auf dem Weg zu einem Futterplatz. Zuerst bediente er sich an ein paar frischen Knospen. Die waren saftig, aber etwas bitter. Also suchte er weiter. Kopfüber hüpfte er den Baum hinab und buddelte an seinem Fuße unter einer groben Wurzel ein paar Beeren aus. Die waren zwar nicht bitter, dafür aber schon ganz verschrumpelt und auch nicht das, was er sich unter einem erfrischenden und stärkenden Mahl vorgestellt hatte. Er knabberte ein wenig an der Rinde der Wurzel und seufzte. Wieder nichts köstliches. Paxi sah, wie eine kleine Biene den ersten Nektar der Blüten trank. Mittlerweile gab es eine Vielzahl an neuen Blüten auf der Wiese. Ob er mal eine dieser bunten Tupfen kosten sollte? Warum eigentlich nicht? Beherzt biss er in einen kleinen Kelch hinein und hustete. Er hustete und hustete. Irgendetwas steckte in seinem Hals fest! Paxi würgte und rieb mit seinen Pfötchen an seinem Hals, aber nichts half. Schnell sprang er wieder auf den Baum und trank etwas Wasser.
„Schon besser“, keuchte er. Nein, Blüten würde er so schnell nicht wieder kosten.
„Vielleicht sollte ich gründlich nachschauen, ob auch alle Nahrungskammern vom letzten Herbst leer gefressen sind.“
Gesagt, getan. Rings um den großen, kräftige Baum mit den dicken Ästen gab es etliche Nischen, Löcher und Lager, die die drei Eichhörnchen Pia, Paxi und Paul den ganzen Sommer und Herbst lang mit den verschiedensten Köstlichkeiten gefüllt hatten. Es gab Haselnüsse, Walnüsse, Bucheckern, Himbeeren, Vogelbeeren, Schlehen, Brombeeren und vieles mehr. Die Früchte waren oft schon verdorben oder eingetrocknet, bevor der Frost sie konservieren konnte, aber es gab auch Futter, was den ganzen kalten Winter überdauerte. Manchmal vergaßen die drei eine Lagerstätte, dann keimte vielleicht hier und da ein Haselstrauch, eine Buche oder ein neuer Himbeerbusch. So halfen die Bewohner des Baumes dabei, dass immer neue Lebensräume geschaffen wurden.
Nach so einem vergessenen Futterplatz suchte unser kleiner Weißbauch nun. Angestrengt schnupperte er über den Boden und folgte einer Spur, die nach Nuss und Samen roch. Sein Magen knurrte. Paxi wurde immer aufgeregter, denn der Geruch von Essen war das Schönste für ihn. Na gut, das Gefundene am Ende aufzuknabbern, das war noch schöner als es zu riechen.
Seine Nase führte Paxi entlang der glatten Wurzel, die so viele Kurven hatte, dass man darin toll Verstecken spielen konnte. In jede Nische hatten sie etwas gesteckt, aber auch schon wieder gefunden. Armer, hungriger Paxi! Trotzdem, er konnte Futter riechen, ganz deutlich!
Und endlich sah er es. Frische Erde, eben erst hin geschaufelt. Nanu, hatten Pia und Paul die Stelle vor ihm gefunden? Sein Bäuchlein gluckste. Das würde ihm aber gar nicht gefallen. Er schaute sich das Ganze genauer an. Nein, hier war kein Samenkorn, keine Nuss mehr übrig. Alles war leer. Und überall in der frischen Erde waren Fußspuren. Kleine, ganz feine Spuren, die ganz und gar nicht so aussahen, als sei ein Eichhörnchen hier entlang gelaufen.
Paxi schnupperte. Ein eigenartiger Geruch stieg ihm in die Nase. Ein Futterdieb! Jawohl, ein Futterdieb hatte sich auf der Wiese eingenistet!
Den galt es nun zu finden und zur Rede zu stellen.
„Man kann doch nicht einfach so ein fremdes Futterlager plündern und nicht ein einziges Nüsschen darin lassen oder ‘Danke’ sagen. Das ist ja wirklich sehr unhöflich!“
Mutig setzte sich der Eichhörnchenjunge in Bewegung. In großen Sprüngen folgte er der Spur, über die ganze Wiese hinweg. Dass ihm etwas passieren konnte, daran dachte Paxi überhaupt nicht. Sein einziger Gedanke war: „Futterdieb!“
Die Spur führte Paxi weiter von dem großen, kräftigen Baum mit den dicken Ästen weg, als er jemals gewesen war. Geradewegs zu den Haselsträuchern verlief sie. Das sind die Büsche, die am anderen Ende der Wiese wachsen. Du weißt schon, die großen Sträucher, die im Sommer herrliche grüne Blätter tragen und jetzt im Frühling hunderte weiche Blüten haben, sie so kuschelig sind, dass man sie „Kätzchen“ nennt.
Zu diesen Sträuchern sprang Paxi nun, furchtlos und mutig, als ob er jeden Tag ein solches Abenteuer unternehmen würde.
Hier endete die Spur des Diebes auf einmal.
Paxi rief: „Hey, hallo!“ und bekam keine Antwort. Er versuchte es erneut: “Guten Tag. Mein Name ist Paxi, ich bin eines von drei Eichhörnchen, die dort hinten im Baum leben. Und du hast mein Futter gestohlen!“ Er drehte sich um und zeigte mit seinem Pfötchen auf sein zu Hause. Da wurde ihm mulmig. Er dachte sich: ‘Bin ich so weit weg von meinen Geschwistern? Was ist, wenn ein Marder hier in den Sträuchern steckt? Was habe ich nur getan?’
„Ähem“, ließ sich da eine Stimme vernehmen und Paxi zuckte vor Angst zusammen.
„Guten Tag, Paxi. Ich bin Nils. Hier oben!“
Langsam und vorsichtig blickte Paxi an den Zweigen entlang nach oben. Eine piepsleise Stimme hatte er vernommen. Hatten Marder so zarte Stimmen?
„Hier! Hier bin ich!“ rief es erneut und Paxi sah ein kleines, hellbraunes Fellknäuel an den dünnen Trieben entlang klettern. Ähnlich wie er hatte es einen weißen Fleck am Hals und einen rötlich braunen Schwanz. So ein Tier hatte Paxi noch niemals gesehen. Gefährlich sah es mit seinen tiefschwarzen und freundlich glänzenden Knopfaugen nicht aus.
„Was bist du denn für einer?“ Wollte Paxi wissen.
Das unbekannte Tier kletterte hinab. Wie ein Äffchen hangelte es sich dabei an den dünnsten Ästen entlang. Auf Paxis Höhe kam es zum Stehen und hielt sich mit seinen kleinen Krallen fest.
„Ich? Ich bin eine Haselmaus. Mein Name ist Nils. Und was bist du für ein rotes Ungeheuer?“
„Eine Haselmaus bist du? Ach, deswegen lebst du hier in dem Haselnussbusch? Ich bin ein Eichhörnchen. Hast du meine ganzen Nüsse stibitzt?“
„Das waren deine? Das tut mir leid. Weißt du, ich bin heute morgen aus meinem Winterschlaf erwacht und war so unglaublich hungrig. Die Nüsse habe ich über die ganze Wiese gewittert und konnte nicht widerstehen. Entschuldige, dass ich alles leergeräumt habe.“
„Aus dem Winterschlaf erwacht? Soll das heißen, du hast die vielen kalten und dunklen Tage geschlafen? Wo denn?“ fragte Paxi, der nun ganz hingerissen und neugierig geworden war.
„Wir haben hier in einem Erdloch tief und fest so lange geschlummert, bis es wieder Nahrung für uns zu finden gibt. Meine Schwester Lola schläft noch immer, hihi. Sie wird erst in den nächsten Tagen wach werden. Im Herbst will sie immer nicht einschlafen, aber wenn sie es dann endlich geschafft hat, bekommt man sie kaum wach!“
Paxi lugte in das Loch, was unter dem Stamm zu sehen war. Weit unten sah er etwas hellbraunes Fell schimmern.
„Ich sehe sie. Nils, ich freue mich, dass ich dich kennengelernt habe. Wir zwei werden sicher viele lustige Dinge zusammen erleben. Vielleicht komme ich schon morgen wieder, um mit dir zu spielen! Aber jetzt habe ich großen Hunger und gehe lieber wieder zurück zu meinem Baum.“
„Au ja, das wäre bestimmt lustig, Paxi. Ich möchte auch gern deine Geschwister kennenlernen“ piepste der kleine Nils.
Sie verabredeten sich für morgen und Paxi hüpfte zurück zu seinem Nest. Paul hatte inzwischen einen großen Tannenzapfen angeschleppt und die beiden Eichhörnchen hörten gespannt zu, was Paxi zu berichten hatte.
Den ganzen Tag freuten sie sich darauf, die lustigen Haselmäuse am nächsten Tag genauer kennenzulernen.
Am Abend erzählte ihnen Paul von all den wundersamen Tieren, die im Frühling und Sommer auf der Wiese hinter dem Haus mit den vielen Fenstern lebten. Von Mäusen und Bienen, von Spatzen und Spechten, von Mardern und Turmfalken.
Doch Paxi und die kleine Pia hörten gar nicht mehr richtig hin. Sie hatten sich aneinander gekuschelt und die Augen geschlossen. Paul hatte die warme Schmusedecke über sie gelegt. Du weißt schon, die grüne mit den gelben Punkten. Die grüne, die nach Schlaf duftete und so weich war, dass man unter ihr den schönsten Eichhörnchenschlaf schlafen konnte.
Mutti
16. März 2010 at 21:28
Ach ja, die Haselmaus. das finde ich aber großartig.Nun wird die Geschichte immer bunter, weil andere Tiere ins Spiel kommen. Zuckersüß!!LG Mutti