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Geschichte 1: Wie kleine Feenkinder Großes leisten

In einem hellgrünen Wald, inmitten von weißen Blumen mit spitzen Blättern, spielen die Feen. Viele, so viele, dass du sie gar nicht zählen könntest. Sie spielen, lachen, tanzen und singen. Wenn sie umherfliegen, flattern sie mit ihren schimmernden Flügeln und passen auf diese besonderen Blüten auf. Denn das ist ihre Aufgabe. Sie sind Nachtfeen, die sich um die Tiere und Pflanzen des Waldes kümmern, wenn die Sonne schläft.

Eine von ihnen ist Milla. Ihren Namen bekam sie, weil auf ihren Flügeln Millionen Sterne leuchten. Milla ist ein kleines Feenmädchen mit fliegendem, blonden Haar und blauen Augen. Sie kann auch in der Dunkelheit sehen, wie alle Nachtfeen. Das Licht der Sterne spiegelt sich in ihren Augen, und so brauchen sie die Finsternis nicht zu fürchten.

In dieser Nacht fliegt Milla mit ihren Schwestern und Brüdern über die Blumenwiese. Diese Lichtung im Wald der Feen liebt sie besonders. Die weißen Blütenblätter schimmern wie Sterne, und weil es so viele Blumen auf der Wiese gibt, ist es, als schweben sie mitten durch den Nachthimmel.

Aufmerksam beobachtet Milla alle Veränderungen, die während des Tages passiert sind. Viele Knospen sind abgebrochen und zahlreiche Halme wurden zertrampelt.

„Sicher sind die Wildschweine wieder über die Lichtung gerannt!“ ruft Milla ihren Freunden zu.

„Diese ungezogenen kleinen Frischlinge können sich einfach nicht benehmen! Jawohl!“ ruft Jasper ihr zu.

Jasper ist Millas bester Freund. Er erhielt seinen Namen, nachdem er das erste Mal seine Augen aufgeschlagen hatte. Sie glitzern nämlich und schimmern in verschiedenen Farben, denn sie spiegeln die Stimmung des Feenjungen wider. Ist er fröhlich, leuchten sie in einem hellen grün, manchmal sogar gelb. Wenn er sich ärgert, feuerrot. Und einmal, ganz kurz, waren sie schwarz wie der Nachthimmel. Warum das so war, kann sich Milla nicht erklären.

Jasper lacht sein helles Lachen und mit einem Blinzeln verschwindet auch das Rot und wird wieder zu dem besonderen Grün, was Milla so an ihm mag.

„Wir sollten die Rotte mal aufsuchen und mit ihnen reden!“ ruft Milla Jasper zu, als sie auf ihn zuschwebt und ihre Hände in die Hüfte stemmt.

„Hm, meinst du, das ist eine gute Idee?“ fragt Jasper seine Freundin vorsichtig. Er weiß, dass Wildschweine sehr gefährlich werden können, wenn sie sich gestört fühlen.

„Na klar. Wir müssen es versuchen, sonst werden sie uns noch alle Sternenblumen zerstören, die wir so lange gepflegt haben. In ein paar Nächten ist Vollmond, dann können wir den Sternenstaub ernten. Wenn die Wildschweine noch mehr Blüten zertrampeln, werden wir nicht genug für uns alle sammeln können und manche Nachtfeen müssen das ganze Jahr im Himmel bleiben.“

Jasper schaut verdutzt drein. „Wovon sprichst du denn da, Milla?“

Sofort legen sich kleine Falten auf Millas Stirn und sie schaut ihren Freund ärgerlich an. „Also wirklich, hörst du denn jemals zu, wenn Mutter Natur uns etwas erklärt? Wie willst du denn eine große Nachtfee werden, wenn du dir nichts merkst?“

Jaspers Augen verdunkeln sich und er blickt zu Boden. Traurig fliegt er zu einer Sternenblume hinunter und streicht über ihre weißen Blütenblätter. Sie fangen sanft zu leuchten an und Jasper spürt, wie die Traurigkeit aus seinem Bauch vertrieben wird. Er schaut Milla an. Dann lächelt er und ruft: „Hey, ich weiß es wieder! Wir sammeln den Sternenstaub auf den weißen Blüten der Sternenblumen. Den Staub brauchen wir, um zu fliegen. Denn nur, wenn die Sterne auf unseren Flügeln schimmern, können wir das. Eine Fee braucht den Staub einer ganzen Blüte, um ein Jahr lang jede Nacht hier in den Wald zu kommen und die Natur zu beschützen. Können wir nicht fliegen, bleiben wir als Stern am Nachthimmel.“

Milla fliegt zu ihrem Freund und nimmt ihn ganz fest in den Arm. „Richtig. Ich freue mich, dass du es endlich verstanden hast. Und denkst du nun immer noch, dass wir nichts machen brauchen, um die Wildschweine zurückzuhalten?“

„Nein, Milla, du hast Recht, wir müssen mit ihnen reden. Sicher verstehen sie unser Problem.“ Mit diesen Worten machen sich die beiden Freunde auf den Weg zur Grube der Wildschweine.

Wie zwei Glühwürmchen tanzen die Nachtfeenkinder durch die Bäume. Ausgelassen versuchen sie, sich zu fangen oder zu verstecken. Dies ist gar nicht so einfach, wenn man silbern leuchtende Flügel hat, die auch die dunkelste Nacht erhellen und zudem noch Augen, die in der Finsternis sehen können.

Nach einer Weile erblicken sie die große Hecke, vor der die Wildschweine eine Grube ausgeschaufelt haben. In dieser Schlammgrube suhlen sie sich, suchen nach Futter und schlafen.

Milla und Jasper greifen zu ihrem Gürtel. Jede Nachtfee trägt um den Leib einen Gürtel aus Sonnenstrahlen, an dem ein goldenes Glöckchen hängt. Mit diesem Glöckchen können sie zu jedem Lebewesen sprechen, denn der helle Klang ermöglicht es allen Tieren und Pflanzen, die Feensprache zu verstehen.

Als die Freunde ihre Glöckchen läuten, drehen sich auf einmal zehn ausgewachsene Wildschweine zu ihnen um. Grimmig schauen sie drein und das größte grunzt mit einer kratzigen Stimme: „Nachtfeen, soso. Ich wusste gar nicht, dass es die auch in Mini gibt!“ Die anderen Wildschweine lachen. Jasper lässt sich nicht verunsichern. Er lächelt und fliegt auf den Anführer zu. „Guten Abend, mein Name ist Jasper und das dort ist meine Freundin Milla. Ja, wir sind Nachtfeen und gekommen, um etwas Wichtiges mit euch zu besprechen.“

Die Wildschweine stellen sich in einem Kreis um die Feen auf. Der zottelige, graubraune Anführer tritt auf Milla und Jasper zu und fragt: „ Und was soll so wichtig sein, dass du unser Nachtbad störst? Ich hoffe, du hast einen guten Grund dafür!“

Milla nimmt Jasper an die Hand und lächelt. „Natürlich haben wir einen wichtigen Grund. Du kennst doch sicher den großen Eichenbaum? Dort, am Waldrand, kurz vor dem Feld?“

Das Wildschwein senkt den Kopf und wühlt mit der Nase im Schlamm. Kauend taucht die verschmierte Schnauze wieder auf und meint: „Klar kenne ich den, die Eicheln bringen meine ganze Familie über den Winter. Was ist damit?“

Milla zwinkert Jasper zu und die beiden legen ihre Köpfe auf die Seite. Milla flötet: „Weißt du denn auch, dass es die Nachtfeen sind, die den Eichenbaum jede Nacht besuchen, mit ihm sprechen und nachsehen, ob es ihm gut geht? Mein Freund Jasper hier hat im Frühling einen beschädigten Ast geheilt, der im Sommer über und über Blüten trug und nun voller kleiner Eicheln hängt. Die werden deinen Kindern sicher gut schmecken, wenn der Herbst kommt und sie zu Boden fallen.“

Die Wildschweine beginnen, mit ihren Nasen den Schlamm zu durchwühlen in der Hoffnung, etwas Essbares zu finden. Der Bericht über köstliche Eicheln hat sie hungrig gemacht. Der Große stampft mit seinen Hufen im Dreck und ruft: „Das war wirklich eine wichtige Neuigkeit! Wir danken den Nachtfeen, dass sie den Baum geheilt und für genug Nahrung gesorgt haben!“ Damit dreht er sich um und will schon in sein Schlammbad verschwinden, als Jasper erneut sein Glöckchen erklingen lässt.

„Wir haben eine Bitte, Wildschweine. Wenn ihr wollt, dass wir auch weiterhin für eine gesunde Natur sorgen, dann müsst ihr uns einen Gefallen tun.“

Mit einem Mal wird es kalt und still rings umher. Kein Insekt zirpt, kein Vogel singt. Der große Anführer senkt den Kopf und kommt langsam auf die kleinen Nachtfeenkinder zu.

„Was willst du von uns?“ knurrt er.

Milla nimmt Jaspers Hand in ihre und drückt sie. Jasper erklärt den Schweinen, was es mit der Lichtung und den Sternenblumen auf sich hat. Er verdeutlicht den Tieren, dass alle Bewohner des Waldes Rücksicht nehmen müssen auf die anderen, damit es am Ende allen gut geht.

Das graubraune Wildschwein stapft zu seinen Artgenossen und grunzend beraten sie sich. Nach einer Weile kommt es zu den Freunden zurück und verkündet mit fester Stimme:

„Wir werden eure Lichtung und die kleinen Blumen nicht mehr betreten. Wir verstehen, dass eure Arbeit in der Natur wichtig für uns alle ist. Ich möchte mich für die wilden Kleinen entschuldigen, weil sie einen solchen Schaden angerichtet haben.“

Damit dreht er sich um und läuft mit seiner ganzen Rotte tiefer in den Wald hinein. Milla und Jasper nehmen sich in den Arm, drücken sich fest und fliegen in einer riesigen Spirale schnell zurück zur Sternenblumenwiese.

Hier sind die vielen anderen Feen immer noch damit beschäftigt, jede Blüte zu berühren und zum Leuchten zu bringen. Manchmal muss ein Halm begradigt, ein anderes Mal etwas Tau zum Befeuchten herangebracht werden. Es ist ein geschäftiges Treiben und alle Nachtfeen tun ihr Bestes, um in Kürze reichlich Sternenstaub aufsammeln zu können.

Milla und Jasper hüpfen von Blatt zu Blatt, singen dabei und reihen sich ein in das silbrige Treiben. Fleißig und glücklich helfen sie ihren Geschwistern und Freunden.

Es wird eine gute Ernte werden, das glauben sie ganz fest.

 

2 Antworten zu Geschichte 1: Wie kleine Feenkinder Großes leisten

  1. Sandra

    30. September 2010 at 07:53

    Ich sag ja, doch GOTHIC!
    Eine schöne Geschichte. Gefällt mir besser als Paxi. Bitte mehr davon.
    Ich stell es mir schon illustriert als KiBu vor.
    Würde ich sofort kaufen.

    verzauberte Grüße. Sandra

     
    • ankelilli

      30. September 2010 at 08:02

      Ach toll, danke! Mein erstes Feedback :-*

       

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