Liebe Leser,
Letztens war ich mir sicher, aus der Bahn heraus an der Saale einen Eisvogel gesehen zu haben. Ja wirklich! Ohne Mist! Nicht lachen! Ich wurde aber von vielen Seiten deswegen nicht ernst genommen. Törichtes Volk! Heute sollte bewiesen werden, dass ich mich nicht geirrt habe, denn selbst der Nabu berichtet von vereinzelten Beobachtungen an der Saale und ihren Nebenarmen.
Das tolle frühlingshafte Wetter an diesem Januarsamstag haben wir genutzt, um auf eine naturwissenschaftliche Expedition zu gehen. Bewaffnet mit Feldbuch, Kugelschreiber, Fernglas, Bestimmungsbuch und Kamera machten wir uns auf den Weg zur Saale, um Vögel zu finden.


Voller Motivation zogen wir los. Florian stellte erleichtert fest: “Zum Glück sind wir keine Jäger.”
Gleich nach den ersten Metern hörten wir das Rufen eines Vogels. Keiner wusste es einzuordnen und im Hinterkopf wurde notiert, das Wissen über Vogelgeräusche dringend aufzubessern. Schnell begegnete uns ein großes, ebenso rufendes Tier weit oben in den Baumwipfeln. Fernglasalarm! Fotoalarm! Bestimmungsbuch raus! Tada, ein Buntspecht konnte identifiziert werden. Ein guter Start, würde ich sagen!

Die noch vereisten Wege verwandelten den Spaziergang leider schnell in eine Rutschpartie. Kindergeheule ist ja bekanntlich kein wirksames Mittel um Tier anzulocken oder zu beobachten, deshalb musste das Hochwasser der Roda und Saale dazu herhalten, die Kinder abzulenken. Da schwamm aber auch wirklich viel Treibgut drin: ganze Bäume, Müll, Schuhe… Auch stellte Hannes schnell fest, dass das Wasser schneller floss als gewöhnlich, und dass die Bäume am Ufer teilweise abgebrochen waren.
Nach entdeckten Kohlmeisen und erfundenen Feldlerchen machten wir auf der Fußgängerbrücke über die Saale beim Gewerbegebiet Göschwitz eine spannende Entdeckung: Hoch oben auf einem Baum am Saaleufer thronte ein riesiger, schwarzer Vogel. WOW. Meine erste Vermutung war “Kormoran!” Allerdings war ich mir sehr unsicher, ob die im Winter überhaupt zu beobachten sind. Sind sie aber. Es war auch einer. Die sind ganz schön groß! Mit dem Fernglas konnten wir die weissen Wangenflecken sehen, die unsere Bestimmung dann festlegten. Toll. Kormorane sieht man ja nun nicht alle Tage.

Gleich ein paar Schritte weiter jagten sich Elstern durch die Bäume. Florian war ganz verwundert über ihren Ruf.
Als wir weiterliefen und den Kormoran im Auge behielten, der dann auch noch eine Runde flog und gleich nochmal viel größer wirkte, sprach uns eine Frau an, ob wir denn mit dem Fernglas den Eisvogel beobachten wollten.
Horchet auf! Eisvogel? EISVOGEL? Jaja, es gäbe eine Stelle weiter den Weg entlang, wo ein Eisvogel an einem kleinen Tümpel im Baum säße und Fische jagte.
Eilig liefen wir (also ich und die Jungs im Schlepptau, Anna bockte) weiter und ich impfte die Jungs, nicht zu schreien und mit ihren Stöcken zu schlagen, weil das das Tier verjagen könnte.
Angekommen entdeckte ich nichts ausser verschiedene Enten. Kein Eisvogel. Nach einer Weile kam auch mein Mann und Anna an. Er war es schließlich, der das wunderschöne Exemplar tatsächlich im Busch über dem Wasser lauernd entdeckte. Ich kann euch sagen, das war ein tolles Erlebnis. Der Eisvogel äugte ins Wasser und ruckte immerzu mit dem Kopf. Nach ein paar Minuten startete er blitzschnell, schnappte sich einen kleinen Fisch und verschwand wieder im Baum. Der war wirklich schnell! Ganz ganz toll.

UND ICH HATTE DOCH RECHT!!! Es war ein Eisvogel, den ich aus der Straßenbahn gesehen habe! Ich WUSSTE es. Ha! Ich frag mich, warum mir nie jemand etwas glaubt….
Nach diesem Höhepunkt beobachteten wir noch eine ganze Reihe anderer Vögel: Blesshühner, Reiherenten, Stockenten, Blaumeisen im Gebüsch, ein Paar Höckerschwäne und eine schnöde Amsel.
Aber immerhin
Wer glaubt, mit drei kleinen Kindern keine Expedition machen zu können irrt. In zwei Stunden 11 verschiedene beobachtete und bestimmte Arten: Ein voller Erfolg! Dazu kommen noch die Arten, die (mehr oder weniger regelmäßig) zu uns ans Vogelhaus kommen: Feldsperling, Haussperling, Kleiber, Grünfink, Kernbeißer, Ringeltaube und die Streifenköpfige Schwanzmeise. Ich bin richtig stolz darauf, wieviel die Kinder durch solche Kleinigkeiten schon gelernt haben. Einen Buchfink wollen sie noch sehen. Und einen Zaunkönig. Mal schauen, wann es soweit ist

Als wir mit frischem Brot fix und fertig heimkamen und mein Mann die Badewanne für die Kinder vorbereitete, fertigte unser Großer seine eigene, ganz persönliche Aufarbeitung des Nachmittags an: Ein Eisvogeltafelportrait in Farbe
Dafür hat er sogar alle seine sorgsam, mühsam und kleinlich geübten Notenschlüssel abgewischt.
Morgen wollen wir einen neuen Versuch starten. Mal schauen, was das Wetter sagt.
Eure Ankelilli.


