(Dies ist der 3. Teil meines Essays über eine sehr lange, anstrengende, aber dennoch eindrucks- und bewegungsreiche Heimfahrt aus Jütland in Dänemark nach Jena. Teil 1 ist dieser hier. Wie es weiter ging, könnt ihr hier lesen. )
Liebe Leser,
vielleicht könnt ihr euch ja an den Anfang meines Berichtes über die lange Heimreise erinnern. Ja, ich habe mich seitdem sehr ausführlich ausgedrückt, aber immerhin soll ja auch das ewige Gefühl einer nicht enden wollenden 800km Reise erschaffen werden- gelingt doch, oder? Ist euch schon langweilig?
Der Plan, der absolut gut durchdachte und perfekte Plan sah so aus, dass wir aus Ribe satt, (die Kinder) müde und schlafensbereit nach Hamburg weiterreisen wollten. Spätestens 15:30 sollten wir in der Speicherstadt sein, damit die Reservierung für das Miniatur Wunderland nicht ausläuft. Kein Problem- oder? Die Kinder machen Mittagsschlaf und wir machen Meter.
Wären wir nicht falsch abgebogen und hätten die Kinder geschlafen, dann hätte sich der Plan sogar erfüllt.
Aber wir fuhren bei Tönder nicht nach Osten, sondern weiter Richtung Süden (Husum). Die Autobahn östlich lassend, fuhren wir so gemütlich, spritsparende 80km/h über kleine Landstraßen, durch zauberhafte Ortschaften, hatten viel Zeit zum Schwatzen und keine anstrengenden Drängler, Schnippler oder sonstige Raser. Ging ja auch gar nicht, denn in der Blechlawine, die sich durch Schleswig-Holstein rollt, konnte man nur mitschwimmen. Die Straßenflanken waren gesäumt von gelben Aktivistenplakaten “Stoppt das CO2- Endlager” – Ein wenig aggressiv und landschaftsbildzerstörend, nicht unbedingt touristenfördernd und hässlich lenkten sie durchaus vom eigentlich attraktiven Landschaftsbild ab. Dennoch haben sie ihr Ziel erreicht, denn ich habe nachgeschaut, was damit eigentlich bezweckt wird.
Die B5 nach Süden und die B199 nach Osten gelangten wir dann bei Flensburg auf die A7 zurück. Da war es 13:30 Uhr. Naja, bis 15:00 könnten wir in Hamburg ankommen, das geht ja doch noch. Und endlich fanden auch die Jungs eine halbe Stunde Schlaf. YEAH!
Auf der Gegenfahrbahn belustigten wir uns am 150km Stop&Go und erfreuten uns an der Tatsache, dass wir es auf der Hinfahrt richtig gemacht hatten. Samstag morgens ist zwischen Hamburg und Flensburg einfach noch nicht so viel los.
Da wir kein Navi haben und wir nach alter Tradition in Dänemark noch eine (wenn auch elektronische ) Karte zu Rate gezogen hatten, nahm ich in Hamburg dann die Rolle der “Navi-Lisa” an und lotste den Caddy sicher und schnell durch die Metropole. Mein Vorteil zur Technik: Weitsicht. Ich konnte mich an ganz anderen Dingen orientieren und so fanden wir die Speicherstadt ohne Mühe. Als wir plötzlich auch noch ein Parkhaus “Speicherstadt” entdeckten und es nur noch 300m Weg sein sollte, nutzten wir diese Gelegenheit. Die Uhr zeigte 15:30 Uhr an, die Reservierung für das Miniatur Wunderland war abgelaufen.
Also nahmen wir uns erst Recht Zeit. Im Parkhaus aßen wir erstmal in aller Ruhe die letzten Vorräte, erfreuten uns an vorbeifahrenden Booten und entspannten unsere Muskeln. In aller Ruhe packten wir zusammen und spazierten an den hohen Backsteinbauten entlang. Schnell war eine Karte gefunden- wir liefen in genau die falsche Richtung.
Allerdings konnten wir vom Kartenstandpunkt aus die goldenen Lettern “MODELLEISENBAHN WUNDERLAND” am richtigen Haus sehen. Die Ausstellung befindet sich an der gleichen Stelle wie der Hamburg Dungeon- das wäre auch ein netter Anhaltspunkt bei der Suche gewesen.
Bis dahin hatten die Kinder keine Ahnung, was wir geplant hatten. Mit Sätzen wie: “Oh, das wirst du ganz besonders toll finden!” u.s.w. hatten wir sie aber ordentlich angefüttert. Hannes meinte zum Papa: “Aber Papa, wenn mir das nicht gefällt, dann bin ich nicht enttäuscht.” Mit diesem Garantiepass konnte ja nichts passieren.
Im Gebäude selbst läuft man in die dritte Etage, dann ist man da. An der Info drängten sich Menschen. Ich erklärte dem netten jungen Mann, dass wir reserviert hatten, aber zu spät seien.
“Ach, dann geht ihr einfach mal trotzdem hinter zu der Kasse, die klären das bestimmt.”
Juhuu, an der 15min Warteschleife waren wir schonmal vorbei. Die Schnellkasse für Reservierungen war frei und ich erklärte dem Mädel mit meinem gewinnendsten Lächeln, dass wir ja direkt aus Dänemark kämen und dort nicht drucken konnten, ich deshalb meine Reservierungsnummer nicht hätte und ausserdem der Weg aus DK ja so weit wäre und wir nur auf der Durchreise wären usw…
“Ach, toll, ich komme auch gerade aus Dänemark zurück!” war ihr erster Satz und sie lächelte uns genauso gewinnend zurück an.
Nach diesem Eisbrecher (*fürmeineschwester*) schwatzten wir über unsere Urlaube und wie toll doch Dänemark sei und dass wir hier ins Wunderland kämen, um die Heimfahrt toll zu unterbrechen… währenddessen suchte sie unsere Reservierung vergeblich (weil die Zeit schon vertrichen war), lotste uns aber trotzdem durch und legte sich mit einem Blick auf die Kinder darauf fest, dass doch alle unter einem Meter groß sind und somit kostenlos hineinkämen.
20€ später und schon absolut begeistert betraten wir also das
Miniatur Wunderland in Hamburg.
Die Kleidung, Taschen etc schlossen wir in ein Schließfach ein und dann ging es los.
Die Räumlichkeiten sind voller witziger Gimmicks. Ruhestühle sind alte Zugsessel. Beschilderungen sind gelbe Straßenverkehrsschilder. Die Anlage unterteilt sich in die Abschnitte “Knuffingen” (erfunden), “Harz”, “Hamburg”, Skandinavien”, “Schweiz”, “Österreich”, “Amerika”. Derzeit wird gebaut an einem Flughafen. Geplant sind Frankreich, Italien, Afrika, Indien, Großbritannien, Niederlande und weiteres.
Als wir Knuffingen betraten, war es erstmal…voll. Tausende Details strömten auf uns herein. Was sofort ins Auge stach, war die Freundlichkeit:
- Fotografieren und Filmen ausdrücklich erwünscht!
- Akku leer? Ladestationen und Steckdosen sind am Shop zu finden!
- Speicherkarte voll? Neue gibts hier zu kaufen!
- Hunger? Komm ins Bistro!
- Die Lunge pfeift? Komm in den Raucherraum!
Für Kinder und andere kleine Menschen sind entlang aller Anlagen Trittstufen oder Bänke angebracht, die beklettert werden sollen. Solche “Kleinigkeiten” sind wunderbar und laden wirklich zum Verweilen ein.

Und plötzlich wurde es dunkel. Tausende LEDs flackerten auf und tauchten die Modellanlage in Nachtmodus. Auch damit hatten wir nicht gerechnet. Natürlich war die ganze Miniaturwelt ein Schauspiel sondersgleichen. Allerdings möchte ich hier an dieser Stelle keine Einzelheiten der Landschaften aufzählen, dafür gibt es bessere Webseiten und vor allem einen eigenen Youtube- Channel. Wer mag, kann sich hier Videos der ganzen Welten ansehen. Interessierte sollten sich unbedingt “Gerrits Tagebuch” ansehen, hier kann man den Bau den Flughafens verfolgen.

Ich möchte in diesem Bericht die “Abseits”- Highlights erwähnen. Glaswände, hinter denen der Serverraum zu sehen ist. (Mein Mann atmete scharf ein und lachte… das will was heissen als Sysadmin), verglaste Treppenstufen, in denen Züge rangierten und dafür sorgten, dass meine Kinder beinahe zertreten worden wären. Aktionsknöpfe am Geländer, mit denen man Kräne bewegen konnte, Theatervorführungen starten lassen und Seilbahnen fahren lassen konnte.
Die Lindt- Fabrik, die über einen solchen Knopf echte kleine Schokoladentafeln produzierte und auswarf. (Meine Kinder haben das je einmal gemacht, waren glücklich und zogen von dannen. Andere saßen ewig und hielten den Auswurfschlitz zu, bis die ganze Hand voll war. Und niemand sah sich in der Verantwortung, das zu unterbinden.)
Die Skandinavienwelt mit Booten, die mittels eines eigens entwickelten Ortungssystems schwimmen. Dem Ärmelkanal aus Glas (Lieblingspunkt von Florian) – man konnte den Eurostar verfolgen. Glaswände, hinter denen Steuerungsmechanismen, Kabelschächte und Steuerungsanlagen wie Zuglifte zu beobachten waren.
Witzige kleine Szenen im Großen. Liebende im Gewächshaus, die Carrerabahn im Schrebergarten. Pippi Langstrumpf, Heidi samt Klara, Frl. Rottenmaier, Joseph, Ziegenpeter und Klara im Rollstuhl. Eine Wasserleiche. Eine Pinguinfamilie oder Dinosaurier auf einer Wiese.
Ein Restaurant mit Kinderabteil, in welchem die Kleinen in einem Holzzug essen können, an einer Extraplatte Züge selber steuern können und, wenn gar nichts mehr geht, sich in Sessel lümmeln können und “Thomas und seine Freunde” schauen können.
Einen Minuspunkt gab es aus der Sicht der Erwachsenen- zu wenig Info. Hier und da wäre eine Tafel mit Beschreibungen interessant gewesen- wieviele Arbeitsstunden, Bäume, Kabel, Farbe oder Pinsel verbraucht worden waren. Wo genau man sich befindet. All dieses steht zwar auf dem Plan, den man an der Kasse bekommt, aber mit drei kleinen Kindern im Schlepptau hat man weder Zeit noch Lust, immer wieder etwas auf einem Papier nachzulesen. Hier wären Beschriftungen vor Ort “nett” gewesen.
Der Raucherraum ist ohne Fenster und mit einer dichten Tür versehen. Nach dem Schließen derselben ist man von allen Geräuschen abgeschirmt. Balsam für die Seele.(sagt mein Mann
)
Im wirklich speziellen und gut sortierten Souvenirshop ließen wir die ersparten Euronen dann für 4 Tischsets und einen Pin (Erlös geht an einen guten Zweck!). Leider bekam ich keinen bedruckten Bleistift, wie ich ihn von überall her mitzunehmen pflege.
Wir aßen im Bistro noch eine Kleinigkeit und fuhren dann im Sonnenuntergang über die Elbbrücken aus Hamburg hinaus gen Jena.
Wir verließen Hamburg mit einem tollen ersten Eindruck. Wenn wir das nächste Mal gen Norden unterwegs sind (man denke an die 55 Kronen!), weden wir im Miniatur Wunderland wohl wieder Halt machen. Immerhin wissen die Kinder jetzt, was sie hier erwartet. Und nicht nur für sie war es sehenswert. Jeder sollte sich diese Ausstellung ansehen, wenn er die Möglichkeit hat. Ganz ehrlich.
Das letzte Kind (Anna) schlief um 22:20 dann endlich ein. Um 0:03 Uhr waren wir in Lobeda zurück. Gegen eins lagen wir im Bett.
Jetzt, 22 Stunden später, sind 5 Maschinen Wäsche gewaschen, 3 gebügelt, 3 Mahlzeiten aus dem Nichts gezaubert, alle gebadet, der Dannebrog wedelt am Balkon und ich sitze hier und werde gleich versuchen, Bilder in verschiedene Blogbeiträge eines Tages einzubinden. Nicht als Galerie. Und deswegen höre ich jetzt auf zu Tippen und mache meinem Mann und mir eine heisse Schokolade.
Mal schauen, ob das mit den Bildern so klappt. Ihr werdet es ja sehen. (Nachtrag: Bester Ehemann der Welt hat es alleine nach meinen Wünschen hinbekommen:-*)
Eure Ankelilli.
Und zum Abschluss des Ganzen noch ein kleines Video aus dem Miniatur Wunderland Hamburg. Man sieht Florian, ein paar Züge und den Bahnhof Basel am Grunde der RIESIGEN Schweiz- Welt. Diese erstreckt sich über 2 Etagen (in der Höhe). Mehr und bessere Videos gibts natürlich im offiziellen Channel.



















































