Liebe Leser,
gesunde Ernährung beginnt mit Muttermilch, das sollte jedem bewusst sein. Was danach kommt, ist vielen Eltern heute leider nicht mehr bewusst. Werbelügen und “Kinder-” Produkte locken mit tollen Farben, frischen Wassertropfen oder cleveren Formulierungen, werden gekauft und konsumiert. Und das nicht in Maßen, sondern in Massen. Und was haben wir am Ende davon? Junge Erwachsene mit verminderter Leistungsfähigkeit. Physische und psychisch. Die keine heimischen Obst- oder gar Gemüsesorten kennen und deren Geschmacksnerven von künstlichen Aromen und geschmacksverstärkenden Hefeextrakten (nicht anderes als Glutamat, nur muss es nicht mehr aufgedruckt sein) völlig geschädigt sind.
Wann sollte man also die Kinder (wenn schon die Eltern kein Interesse zeigen) wachrütteln? Ihnen zeigen, was eine normale Portionsgröße ist, was ein normales Getränk oder eine vertretbare Nascherei?
Studien zeigen, dass nach dem Grundschulalter bereits alle Weichen für Lebensmittelvorlieben und -abneigungen gestellt sind. Also muss man vorher ansetzen.
Für die 28 Vorschulkinder unseres Kindergartens findet in diesem (Schul-) Jahr eine Ernährungsberatung statt. Eine Informationsveranstaltung dazu wurde gestern abgehalten. Das Interesse daran war enorm. Ganze FÜNF Muttis waren anwesend. Inklusive mir selbst.
Der Kurs wird gehalten von einer Apothekerin, die mit dieser Seminararbeit eine staatliche Anerkennung bekommt. Was mich verwundert ist nur, dass die Dame selbst zweifellos sehr kompetent und sympathisch ist- aber adipös….
Ich möchte jetzt keine Diskussion lostreten, inwieweit adipöse Menschen toll oder nicht toll sind, mir geht es hier nicht um Ästhetik. Ich frage mich eben nur, inwieweit das Ganze glaubhaft ist, wenn der “Lehrer” von gesunder Ernährung, Zivilisationskrankheiten und Portionsgrößen redet, selber aber massives Übergewicht hat… Nun weiss ich nichts persönlich über die Frau, vielleicht hat sie ja erst spät die Auseinandersetzung mit Lebensmitteln gesucht und in den letzten Jahren einiges an Kilos verloren, ich weiss es nicht. Ich fand es nur …. merkwürdig.
Der Kurs selbst ist ganz toll gestaltet. Die bekannte Ernährungspyramide wird den Kindern auf spielerischer Art und Weise näher gebracht, und auch mit spezifisch kindlicher Wichtung.
Die Basis bildet Familie “Durstig”. Mit einer Wertigkeit von 6 (also 6 Portionen am Tag- 600-800ml) steht hier die Erkennung und Begründung von richtigen Getränken im Mittelpunkt. Bei Kindern zählt hier auch Milch dazu und ein Glas Obst/Gemüsesaft am Tag wird auch empfohlen, da es für Kinder sonst schwierig wird, die “5 am Tag” Regel einzuhalten. (dazu später mehr). Unter anderem werden sie eine Zitronenlimonade selber herstellen und lernen, dass in dieser auch Zucker ist. Aber im Vergleich zu handelsüblicher Limo nur 10 Stück anstelle von 27 pro Liter.
Mit einer Wertigkeit von 5 stehen darüber die Mitglieder der Familie “Müller”- Hier vereinen sich die sättigenden Kohlehydrate aus Getreide und Kartoffeln. Die Kinder werden verschiedene Brotsorten kosten und die verschiedenen Zubereitungsformen von Kartoffeln bewerten. Sie lernen verschiedene Nudelformen kennen und den Unterschied von Vollkorn/ Weißmehlnudeln. Am Ende steht noch die Verkostung von VK-Reis und parboiled Reis an.
Die Familie “Fruchtig” hat eine Wertigkeit von 2 und teilt sich die Stufe mit der Familie “Frisch” (Wertigkeit 3) Familie “Fruchtig” umschließt Obst. Hier wird mit Ausmalkarten gearbeitet und ein Obstsalat zubereitet. Familie “Frisch) umschließt Gemüse. Hier wird die “5 am Tag” Regel erläutert, wobei pro Kind täglich 2 Portionen Obst und 3 Portionen Gemüse gegessen werden sollen. – Besonderheit bei Kindern: Eine dieser Portionen darf getrunken werden. Beim Gemüse wird auch auf die “Ampelregel” eingegangen. Sie besagt, dass im Idealfall die drei Gemüseportionen aus roter, gelber und grüner Rohkost bestehen sollten. Ein Geschmackstest mit verbundenen Augen schließt diese Produktgruppe ab.
Die nächste Stufe der Ernährungspyramide stellen Familie “Milli Milch” und “Willi Wurstig”. Milch wird in all ihrer Vielfalt kennengelernt- vom Euter bis zur Flasche. Auch die ganzen Milchprodukte werden besprochen. (Ja, Pudding ist aus Milch- irre, dass wohl keiner mehr Pudding selber kocht…). Milch und Käse mit unterschiedlichen Fettgehalten werden verkostet. Bei Wurst wird die Faustregel “Je verarbeiteter, umso fetter” kennengelernt. Nur weil man das Fett nicht sieht, ist in der Mortadella, der Wiener oder gar der Bärchenwust aber gehörig viel verarbeitet. Die Kinder legen als Experiment verschiedene Wurstsorten auf Löschpapier und sehen nach dem Trocknen, dass bei Schinken, Putenbrust und Co. einfach kaum Flecken bleiben, bei all den Fleischwolfgedrehten aber schon! Familie Willi Wurstig schließt auch den Fisch mit ein. Einmal pro Woche ist Pflicht!
(Die vorletzte Stufe der Ernährungspyramide mit den Fetten zur Lebensmittelzubereitung wird außen vor gelassen)
Abschließend dreht sich alles um die Familie “Schleck” mit einer Wertigkeit von einer Portion am Tag. Wie groß ist denn nun eine Portion? Ganz einfach, eine Hand voll. Egal ob Erwachsener oder Kind, die Hände wachsen ja mit. Sie lernen hier, dass Chips und angeblich “gesunde” Joghurts, Knuspermüslis, fettfreie Gummitiere mit ach so vielen Vitaminen, Joghurtdrinks und all die Dinge die so wichtig sind wie ein kleines Steak nichts als Nascherei sind. Diese sind nicht verboten, aber EINE AM TAG reicht eben. Anhand eines Märchens aus dem Schlaraffenland wird das den Kindern bewusst gemacht.
Das wars, in einem Jahr wird das den Kleinen nahegebracht. Schon schade, dass das nicht einfach selbstverständlich ist zu Hause und solche Kurse vonnöten sind, den Kindern eine gesunde Ernährung beizubringen. Die Frage ist auch, was nützt es, wenn die Eltern nicht zum Umdenken gebracht werden? Und wie soll das gehen, wenn sich die Eltern nicht einmal für die Dinge interessieren, die der Kindergarten mit den Kleinen veranstaltet?
Ich kann so ein Desinteresse einfach nicht verstehen. Auf den Kurs freue ich mich. Mal schauen, was mir der Hannes alles so berichten wird.
Wollt ihr noch mehr Information? Hier ist ein weiterführender Link.
Eure Ankelilli.