Liebe (wachsende) Leserschaft,
Heute war wieder Vorlesezeit im Kindergarten. Diese hat sich mittlerweile sehr gut etabliert und eine “Stammgruppe” von 10-15 Zuhörern findet sich immer. Mein rituelles Anfüttern mit Keksen wäre gar nicht mehr nötig, aber ich behalte es bei. So bin ich den Kindern immer gleich sympathisch, auch wenn sie mich gar nicht kennen. Durch mein Projekt “mein Lieblingsbuch” konnte ich in den letzten Wochen selten ein selbst ausgewähltes Buch vorlesen. Das war einerseits gut, weil das Interesse an Büchern so viel mehr gefördert wird. Andererseits waren die Titel nicht immer optimal für diese Leserunde geeignet.
Heute hatte ich allerdings wieder drei Bücher mit, die ich selbst ausgesucht habe. Zwei davon kamen aus der Bibliothek, eines ist unser Eigentum. Damit ging es auch los, auf Wunsch von Florian:
Thomas und seine Freunde Geschichtenbuch 23: Thomas und der Doppeldeckerbus: Thomas und der Doppeldeckerbus. Auf Grundlagen der Eisenbahngeschichten von Reverend W. Awdry: BD 23
- ISBN 978-3833218163
Es geht um einen Mangel an Transportmöglichkeiten auf der Insel Sodor, da Thomas und Emily in die Reparatur müssen. Der alte Griesgram Bulgy wird zurück in den Dienst befohlen und sein Übermut wird erneut, wie früher schon einmal, bestraft. Zum Glück sind Thomas und Emily schnell wieder fit, so daß sie die Passagiere sicher und komfortabel transportieren können.
Die Geschichte hat mit ca. 15 Minuten eine optimale Vorleselänge für eine größere Kinderrunde. Es passieren kuriose Begebenheiten, die Kinder sehr zum Lachen bringen. Trotz der Nicht-Eignung des Busses für den Personenverkehr findet sich am Ende eine tolle neue Aufgabe für den alten “Herren”. Ich lese diese Episode sehr gern vor, da auf wenigen Seiten viel passiert. Die großen Illustrationen unterstreichen die Handlung sehr gut. Die meisten Dialoge eignen sich zum (über) betonten Lesen, Aufschreien, Verwunderung, Freude und Jubel begleiten die Leser durch die ganze Geschichte.
Als nächstes kam folgendes Buch an die Reihe, ausgeliehen aufgrund der guten Erfahrung mit “Die Schnecke und der Buckelwal”:
- ISBN 978-3407793638. Es empfiehlt sich, die Ausgabe im großen Format zu kaufen (28,2 x 25,4 x 1 cm), da in der kleineren die Wirkung der Bilder im Verhältnis zum Text etwas verloren geht. Der höhere Preis der großen Auflage lohnt sich hier wirklich.
Inhaltlich begleitet man den “Flunkerfisch” in seinem Alltag. So lernt man ihn als Teil einer Schulklasse kennen. Sein Aussehen ist eher schlicht, grau geschuppt. Aber er flunkert eben gern. So lässt er sich die tollsten Ausreden einfallen, weil er immer zu spät kommt. Das ist der zentrale Handlungsstrang. Als er eines Tages gefangen wird und nicht mehr weiß, wo er ist, folgt er seinen eigenen Legenden, bis er wieder zu Hause ist.
Ich liebe dieses Buch. Genau wie die “Schnecke und der Buckelwal” ist man sogleich gefesselt und mit Leib und Seele in der Geschichte drin. Die Schreibweise ist wieder perfekt zum Vorlesen, Wiederholungen sind häufig und an zentralen Stellen. Schon während des Vorlesens der unbekannten Geschichte konnten die Kinder im Chor manche Sätze vervollständigen. Dadurch hingen sie an meinen Lippen. Die Schrift ist groß und ich konnte es sehr gut vortragen, obwohl ich das Buch seitlich hochgehalten habe, damit alle Kinder hineinsehen konnten. Ich kann nur sagen: KAUFEN. Unbedingt. Das Buch ist hinreißend.
Als letztes las ich das umfangreichste Buch, welches ich mitgenommen hatte. Die Zuhörerschaft war geschrumpft, unter anderem musste ich meinen eigenen großen Sohn der Decke verweisen, weil er sich derart hat ablenken lassen, daß er zu sehr gestört hat. Das war (für mich) sehr schade, der ganzen Vorlesezeit allerdings tat es gut.
Ich las: Walko: “Der Schatz auf der Holunderinsel: Hase und Holunderbär”
- ISBN 978-3760736310.
Dieses dauert gut und gern 20-25min zum Vorlesen, wenn man betont liest und die Illustrationen mit einbezieht. Das sollte man bei Büchern der ArsEdition immer tun, denn sie sind so zauberhaft, daß man mitunter länger Einzelheiten betrachtet, als man eine Seite liest. Inhaltlich gehen der Hase (“Ritter Freund” ) und der Bär (“Holunderbär”) auf ein Abenteuer, denn am Fuße eines Regenbogens ist ja immer ein Schatz versteckt. Und der Regenbogen, den sie erblicken, entspringt genau dem Fuße des Bananenfelsens auf der Holunderinsel. Tapfer und voller Tatendrang gehen sie also auf Schatzsuche. Nach vergeblichen Suchens und ausgiebigen Schlafens stellen sie fest, daß sie leider auf der Insel gefangen sind, denn ihr Boot ist weg. Nun beginnt ein viel größeres Abenteuer, an dessen Ende doch noch ein gewaltiger Schatz zu entdecken ist.
Die Bücher der “Holunderbär” Reihe wurden uns von unserer Bibliothekarin empfohlen. Mit gutem Grund. Nicht nur die typische ArsEdition Umsetzung ist herrlich für Kinder im Kindergartenalter, auch die Geschichten sind frei von Gewalt, häßlichen Worten oder Inspiration für Dummheiten. Stattdessen sind sie voll von Wortspielen, Moral, Freundschaft und Zusammenhalt. So macht das Vorlesen Spaß! Was sich als praktisch erwiesen hat, ist, die Kinder aktiv mit einzubeziehen. Da ließ ich sie jubeln, seufzen, graben und schlafen. So blieben sie aufmerksam und wurden nicht durch zu langes Stillsitzen hibbelig. Schade, daß ich nur ein Buch der Holunderbärreihe bekommen habe, denn diese eignen sich ideal zum ausgiebigen Vorlesen.
Mein Fazit zu dieser Woche: Es war einfach nur SCHÖN! Am Ende frage ich immer, warum sie welches Buch am besten fanden. 70% der Kinder mochten den Holunderbären am liebsten, weil das Ende so schön (schnulzig und moralisch) war. 20% mochten den Flunkerfisch am meisten, weil die Bilder so bezaubernd sind. Und 10% favorisierten Thomas, weil es eben Thomas ist und weil sie so viel Lachen mussten. Ich habe es diesen beiden Brüdern auch bis zum Montag ausgeborgt. Immerhin sind Bücher zum Lesen da und nicht fürs Regal.
Danke fürs Lesen! Machts gut! Eure Ankelilli.