Liebe Leser,
dies wurde mir von meiner Nichte übermittelt, als Wunschdekoration für ihr neues Kinderzimmer.
“Kein Problem”, dachte ich mir.
Doch um ein solches Wandbild zu erstellen, muss man vor Ort sein. Also packten wir Sack, Pack und Kuscheltiere und fuhren ins schöne Hessen. Zwischendurch stoppten wir noch “fix” bei IKEA, einfach weil wir es mögen. Ach ja, außerdem brauchten wir noch Schreibtischböcke. Nun gut, dann packten wir diese ebenfalls ins Auto.
In der Ferne angekommen, passierte nicht mehr viel. Die Kinder wurden gebettet, und die Erwachsenen führten lebhafte Diskussionen dank den Herren Günther Veltinger* und Herrn Pinot G*. zu den Themen Farbkonzepte, Internetzugang und Umzugsorganisation. Hierbei stellte sich heraus, dass Herr Pinot deutlich bessere Eingebungen hervorkitzeln konnte als Herr Veltinger. Dementsprechend schnell war allerdings die Luft bei ihm heraus- oder drin, wie man es sehen möchte.
Am nächsten Morgen dann durfte ich die Räumlichkeiten untersuchen und das Gestaltungskonzept festlegen.
Eine blaue Fee also im Mädchenzimmer. Wie die aus Disneys Pinocchio, die man sich als gemeinfreies Bild im Internet suchen oder aus dem eigenen Bilderbuch scannen und so digitalisieren kann. Nur mit Schmetterlingsflügeln. Und mit freundlichem Gesicht. Gut. Das ist machbar.

Das Zimmer ist hell, weiß, dazu weiß und hell. Mit einem hölzern verkleideten Heizkörper, in weiß. Ein Traum in blau sozusagen. Soll es zumindest werden
Diese Voraussetzungen sind natürlich dankbar im Sinne einer Wandbemalung. Wird das Ergebnis zart, ist es harmonisch. Wird das Ergebnis knallig, ist es ein hervorragender Kontrast. Wird das Ergebnis irgendwas dazwischen, ist es eben so. Bei weißer Umgebung kann man nichts verkehrt machen.
Am weißen Hochbett also sollte sie schweben. Und zaubern. Mit einem glitzernden, funkensprühenden Zauberstab. Dazu eine Blumenranke. Gut.
An dieser Stelle möchte ich meine persönliche Duselei reduzieren und mal eine Schritt-für Schritt- Anleitung einfügen, damit auch nicht-Schwestern nachvollziehen können, wie man so etwas anstellt.

Als erstes: Du musst nicht malen können, nicht zeichnen und von Kunst musst du auch nichts verstehen. Alles was du brauchst ist Spaß an Farbe und Mut, einen farbigen Pinsel an eine Wand führen zu können. Der Rest geht von alleine. Mit 5-6 Standartflaschen Voll- und Abtönfarbe aus dem Baumarkt kommt man hin, egal um welches Motiv es sich handelt. Nicht verzichten kann man auf schwarz, weiß, apfelgrün, maisgelb, rot, blau und honiggelb. Letzteres sieht in der Flasche… seltsam… aus aber an der Wand wirkt sie sensationell.Einen kleinen Satz einfache Rund- und Flachpinsel, zwei Plastik- Mischpaletten und ein Becher Wasser und los kann es gehen.
Das Bild wird in ein Freeware- Posterdruckprogramm geladen, welches die Datei auf DIN A4 Blätter aufteilt. Im besten Fall wird dir die Endgröße des Werkes gleich angezeigt. Per “Entwurfsdruck” werden diese Blätter dann ausgedruckt und zusammengeklebt. Das sollte sorgfältig an allen Kanten erfolgen, als Erfahrungswert. Danach einfach den “Starschnitt” ausschneiden und mit Kreppband an der Wand aufhängen.
So kann man in aller Ruhe drehen, schieben, rücken und neu machen, wenn es noch nicht groß genug ist. Das sollte man beherzigen: Auf die Größe kommt es an! Groß wirkt besser, groß ist einfacher umzusetzen, groß ist besonders. Wenn der Papierentwurf hängt, gehe ich in der Regel einen zehnten Kaffee des Tages trinken. Nach zehn Minuten Abstand schaut man sich das Ganze noch einmal an und fängt im besten Fall an, jede Linie mit Bleistift auf die Wand zu übertragen. Dabei werden Eckpunkte mit der Spitze durchgedrückt und frei verbunden. Meist kann man aber auch die Bleistiftspitze an der Wand führen und mit dem Zeigefinger der anderen Hand auf der Papierlinie entlangfahren und den Stift somit lenken. Nach und nach muss man dann das Papierbild zerreissen, bis es schließlich komplett übertragen ist. Der Rest ist “Malen nach Zahlen”. Nur größer
.
Im Fall der blauen Fee entschloss ich mich für eine Fee der Größe 1,60m. Nach dem Ablauf oben druckte ich die Vorlage aus und unter zehn neugierigen Augen entstand die Papierfee auf dem Fußboden. Natürlich ging das Klebeband aus. Folglich wurde breites Kreppband in 2cm- Scheiben geschnitten und zum Verbinden der A4 Blätter verwendet. Da der kleinen Nichte die Flügel der Fee nicht gefielen und außerdem auch mal an das Urheberrecht gedacht werden musste, veränderte ich die Originalen Flugelemente zu schmetterlingsähnlichen Wuchsformen, indem ich sie mittig zusammenführen ließ und längliche Ausstülpungen am oberen und unteren Ende anfügte.
Ich möchte anmerken, dass, wenn meine lieben Leser dies nachmachen wollen, dass sich rote Farbe hierfür hervorragend eignet. Allerdings bedürfen die vielen roten Flecken auf dem Teppichboden, die Kinderhände so wunderbar anbringen können, einiges an Nacharbeitungszeit.
Als die Fee an der Wand hing, war das Staunen schon groß. Das Übertragen mit Bleistift ging gut. Den Prozessschritt der “geköpften Fee” allerdings sollte man besser beschleunigen, sonst kann es sein, dass Tränen in den Augen, Weinen und Angst erneut zu Zeitverzögerung aufgrund von Kuscheln, Trösten und Aufmunterungsversuchen führen könnten.
Eine rosige Gesichtsfarbe zu mischen war …experimentell. Auf der Palette wirkte es gut, an der Wand eher leberkäsefarben oder sonnenverbrannt. Nun gut, zum Glück entspannte sich dieser Eindruck durch das viele BLAU, was nach und nach dazukam. Erst flächig/comichaft, später nach Wunsch der Chefin, in wallenden Falten. Diesen Effekt erreicht man durch Mischen unterschiedlicher (in Zahlen 2) Blautöne mit Weiß auf der Wand selbst. Wenn man eine Ecke des Flachpinsels dunkel befüllt, kann man mit einem gezielten Strich eine helle Fläche mit dunkler Kontur schaffen, die ganz natürlich wirkt, da Abstufungen von selbst entstehen.


Die Erfahrung mit Pokemons oder in den Bildern bei uns daheim hat gezeigt, dass das coolste Wandbild wenig wirkt, wenn keine Kontur darum gebracht wird. Am Anfang wählte ich dafür immer schwarz, mittlerweile nicht mehr. Meist entscheide ich mich für einen deutlich dunkleren Ton der verwendeten aktuellen Farbe. Das wirkt entspannter und weniger plakativ.
Ja, nachdem die Fee fertig coloriert war, kam der Zauberstab und die Blumenranke an die Reihe. Diese entstand völlig Freihand und griff die Hauptfarben der Fee in den Blütenfarben wieder auf.
Zum Abschluss wurde reichlich beglittert und Dekosternchen angeklebt. Ein bisschen “Mädchen” durfte dann doch sein


Ich hoffe, ihr findet sie genauso schick wie ich. Ich freue mich auf Nachahmer und Kommentare. Fragen können natürlich auch gern gestellt werden. Was im Jungenzimmer mit einem fleischfressenden Dinosaurier passierte und wie Kinder es finden, dass dieser an Pflanzen nagt, erfahrt ihr in den nächsten Tagen.
Eure Ankelilli.
*Namen von der Redaktion geändert.
