Liebe Leser,
wenn an der Uni für ein geselliges Beieinander geworben wird, sollte man da auch teilnehmen, dachte ich mir. Zuhause wurde das Ganze als “Weihnachtsfeier” genehmigt. Toll. Sicherheitshalber fragte ich unsere liebgewonnene Praktikumsleitung nach ihrer Erfahrung. Auch sie meinte, dass man sich diese Veranstaltung nicht entgehen lassen sollte. Gratis Glühwein, Tee, Spekulatius und Lebkuchen. Wer will, Bratwurst und Brötchen für wenig Geld. Warum also nicht hingehen?
Eine weitere tolle Idee fand ich, dass man seine eigene Tasse mitbringen sollte. Gedacht zur Müllvermeidung und mit dem Anreiz, mit einer solchen sich immer ganz vorn anstellen zu können. Nun, die Praktikumsleiterin meinte, das geht nicht mehr, da in der Regel alle ihre eigene Tasse dabei haben würden.
Ausgestattet mit meiner coolen, nerdigen Tasse des Periodensystems startete ich also in die verschneite Nacht. Zum Glück fuhren alle Bahnen und ich kam sicher um halb sieben in der Humboldtstraße an. Zum Glück hatte ich einen Pulk Mädels vor mir, die eben dorthin strebten. Sonst hätte ich vermutlich lange suchend in der Kälte stehen müssen. Aber so kam ich schnell im Hinterhof an. Der erste Eindruck? Viele Leute, Fackeln, eine lange Schlange am Glühweinstand. Gesichter a) vermummt und b) im Dunklen. Hm, ich kam mir etwas einsam vor und beschloss, erstmal auf Glühweinjagd zu gehen. Rund um die beiden Heizkessel waren Absperrbänke gestellt worden, auf denen die weihnachtlichen Backwaren präsententiert wurden. Als Wartezeitverkürzer, quasi.
Mit Glühwein dann marschierte ich herum und suchte ein bekanntes Gesicht. Fand auch schnell einen Bachelor, mit dem ich schon ein paar Mal geschwatzt hatte. So kam eins ins andere. Ich stellte fest, dass mich ein FSR Mitglied noch kannte, obwohl wir nur einmal vor Wochen 2-3 Emails geschrieben hatten. Das war schon sonderbar.
Nach einer Weile griff mich dann noch meine Praktikumsleiterin auf und ab diesem Zeitpunkt wurde es wirklich amüsant. Der Glühwein war fast alle, die Leute ausgelassen. Schnell flogen die ersten Schneebälle. Als dann noch Laborpartner P. kam, war alles wieder eine runde Sache. Ich fand es klasse, das chemische Themen gering gehalten wurden und Privates im Vordergrund stand. Lästereien, wunderliche Begebenheiten, Vorlieben, Hobbys. Viel tiefer möchte ich aus Diskretion vor den Beteiligten nicht gehen
Die Schneeballschlacht wurde nach und nach intensiver. Ihren traurigen Höhepunkt fand sie allerdings, als auf der Flucht ins Haus eine Glastür zerbrochen wurde. Zum Glück gab es keine schlimmen Verletzungen. Und der Beteiligte ist versichert. Trotzdem ist das eine ärgerliche Sache. Ich bin mal gespannt, ob sie Konsequenzen haben wird.
Für uns war es auch der Startpunkt, nach Hause aufzubrechen. Immerhin war es schon gegen 23 Uhr.
Die Heimfahrt ging auch glatt, ich musste keine 10 Minuten auf meine Bahn warten. Allerdings bin ich unterwegs eingeschlafen. Zum Glück wurde ich rechtzeitig wieder wach und fiel dann gegen Mitternacht ins Bett.
Also, das Glühweintrinken der Fachschaft Chemie ist eine Veranstaltung, der man unbedingt beiwohnen sollte.
Eure Ankelilli.