Liebe Leserschaft,
Hätte ich im Titel nicht schon alles verraten, könnte ich euch jetzt überraschen.
Ja, gestern war ich dank unserer Firma und im Speziellen dank unserer Abteilung bei einer Nachtwächterführung durch die Innenstadt Jenas. Gut, was heisst Innenstadt…. Die Nachtwächterin führte uns durch das GANZE Jena von 1685, also entlang der Stadtmauer (bzw der Linie, die sie einnahm).
Dabei erfuhren wir auf äußerst amüsante Art, wie man sich das vorstellen muß, damals im Mittelalter.
Dass nämlich das erste Straßenpflaster vor der Stadtkirche St. Michael von Geld bezahlt wurde, welches einem Bußgeld entsprang. Speziellerweise einem Bußgeld für das Entkleiden eines Mannes im trunkenen Zustand. Auf dem im Bau befindlichen Kirchturm. O.o
Oder aber, dass die Nachtwächter die Stadttore reinigen, instanthalten und bewachen mussten. Dass sie einfache “Stechuhren” führen mussten um zu beweisen, dass sie nicht schlafend in der Ecke lagen.
Dass sie Angestellte der Stadt waren und somit den Akademikern (die einem anderen Recht unterlagen) nichts zu sagen hatten- auch Studenten nicht. Diese wiederum mussten mit “Sie” angesprochen werden und waren hoch angesehen! (Man stelle sich das heute mal vor…)
Am Accouchierhaus erfuhren wir, dass ursprünglich die Frauen hier freiwillig gebären sollten. Da das aber keine tat, wurden alle ledigen Frauen einfach mal verpflichtet, hierin zu kommen. Dafür brauchten sie nicht ins Gefängnis aufgrund der ledigen Schwangerschaft. Herren oblag eine Geldstrafe von 12 Talern für das Schwängern einer Frau. (ungefähr ein Jahresgehalt) – aber das Heiraten war ja nur Menschen mit höherem Ansehen gestattet!
Ich weiß jetzt, warum Bücher der damaligen Zeit gar merkwürdig zusammengesetzt wurden (Die Papierbögen wurden gedruckt und beim Buchbinder je nach Kunde gebunden- nicht nach Thema. So folgt auf einen Städtebericht gleich mal das Register der Beerdigungen uns so weiter)
Getränke gab es in Schankstuben. Dort aber kein warmes Essen. Schankstuben haben einen runden Torbogen! Sie waren ein Nebengewerbe der Bürger, da Bürger Land besaßen. In der Regel auch einen Weinberg. Und damit auch eine Brauerlaubnis. Irgendwo bei Cospeda wurde auch Bier mit Brauwasser gebraut, dessen Wasserleiter durch den Friedhof geht……
Und noch was gruseliges: Gleich vor der Stadtmauer, neben dem Holzmarkt (zu Fuße des Theaterhauses) befanden sich die Fischteiche des Klosters. Hier wurden zwar hauptsächlich die Fische für die Fastenzeit herangezogen, aber auch die Babys ertränkt, die illegal auf die Welt kamen. O.o – Natürlich spukt es dort jetzt. Dazu kommt, dass die Anatomie der Universität dort (hinter der Stadtmauer) die Leichen aufschnippelte. Im Anatomieturm, der noch heute in Teilen erhalten ist, wurden sie aufbewahrt. Dort durften wir rein! Eine recht spannende Akustik herrscht durch das Gewölbe da. Die obligatorische Geschichte der frisch verstorbenen und veräußerten Ehefrau, die aufgeschnitten wurde und doch noch lebte, wurde zum Besten gegeben. Wobei dies alles durch die Chronik der Stadt belegt ist.
Diese und noch viele viele lustige, eklige, spannende und wundersame Geschichten kenne ich jetzt. Ich weiß sogar, wo der Pranger angebracht war.
Herrlich. Also, das kann ich jedem empfehlen. Es gibt auch öffentliche Teilnahmemöglichkeiten, ohne Firmenfeier. Dafür mit Feuerakrobaten.
Coole Sache das.
Eure Ankelilli
























































